Ein Jahrhundert zwischen Stemmbogen und Kurzschwung

Skilehrer feiern 100 Jahre Skiunterricht, Schneesportschule feiert 85-Jahr-Jubiläum

Seit 100 Jahren gehört Ski-unterricht zu Andermatt wie der Schnee auf die Urschner Berggipfel. Im Januar feiern aktuelle und ehemalige Skilehrer dieses Jubiläum mit einem grossen Fest.

Während sich Material und Technik im Laufe der Zeit drastisch verändert haben, ist der Anfang für alle ziemlich ähnlich, früher wie heute. Die Rede ist vom Skifahren. Wer kennt es nicht: Zuerst stellt man stampfend einen Ski neben den anderen, später schaffen es Geübte zunächst pflügend durch den Schnee, um dann endlich im Idealfall kunstvolle Schwünge in den Schnee zu zaubern. Kein anderer Ort im Kanton Uri kennt das Unterrichten von Skischülern länger und intensiver als das Ursemtal. Seit mittlerweile 100 Jahren wird in Andermatt Skiunterricht angeboten. Dies belegt ein Brief, der im Frühling 1919 den Urner Regierungsrat erreicht hatte. Darin stand, dass der Skiklub Gotthard beschlossen habe, «das Skilehrerwesen im Urserentale zu regeln». Bereits drei Wochen später wurden das eingereichte Regulativ und die Tarife genehmigt und im selben Jahr erwarben neun Skilehrer das Patent für Andermatt.

Aufschwung dank Tourismusprojekt
Heute, fast 100 Jahre später, prägt das Skilehrerwesen das Urserntal noch immer. Einiges hat sich aber verändert: Seit 85 Jahren steht der Skiunterricht in Andermatt unter dem Dach der Schweizer Schneesportschule Andermatt. Im vergangenen Winter waren 82 Skilehrerinnen und Skilehrer beschäftigt, für den kommenden Winter sollen es deren 100 sein. «Die aktuelle Entwicklung im Urserntal ist sehr positiv für die Schneesportschule Andermatt. Wir stehen allerdings auch vor neuen Herausforderungen», sagt Ruedi Baumann, der die Skischule seit 2017 lei-tet. Die Gäste, die das Tourismusresort nach Andermatt bringt, sind andere, anspruchsvollere als vor wenigen Jahren. «Ein Skilehrer ist nicht nur zum Unterrichten da, sondern ist vielmehr auch ein Guide», so Ruedi Baumann. Es sei dieser sogenannte «Magic Moment», den die Gäste heutzutage immer häufiger erleben wollten. Insgesamt ist es eine Entwicklung, die der Schneesportschule das Überleben sicherte. «Ohne das Tourismusprojekt und den Skigebietsausbau wären wir heute nicht hier», davon sind sie alle überzeugt. Sie, die sich zur Bekanntmachung ihres grossen Jubiläumsfests 100 Jahre Ski unterricht Andermatt und 85 Jahre Schneesportschule Andermatt getroffen haben: Der aktuelle Skischulleiter, die Ehemaligen Sepp Dahinden und Kari Danioth und die OK-Mitglieder Fred Tanner, Brosi Arnold und Astrid Nager gaben den Medien am Donnerstag einen Einblick in die bevorstehenden Feierlichkeiten.

270 ehemalige und aktive Skilehrer
Am 26. Januar werden in und um Andermatt mehr aktive und ehemalige Skilehrerinnen und Skilehrer unterwegs sein als je zuvor. «Zunächst wollen wir das Jubiläum mit einem Nostalgie-Skirennen in Kleidern aus diversen Jahrzehnten feiern», erklärt Medienchef Brosi Arnold. Für das Plauschrennen am Nätschen, bei dem weniger die Schnelligkeit, dafür mehr die Originalität zählt, werden laut Brosi Arnold noch passende Kleider gesucht. Im Anschluss an das Plauschrennen führt ein Umzug die Skilehrerinnen und Skilehrer von heute und früher durch das Dorf. «Mit diesem Umzug und dem anschliessenden Apero möchten wir mit der breiten Bevölkerung feiern.» Am Abend dann findet in der Aula des Bodenschulhauses eine Skilehrer-Kilbi statt, an der nach Herzenslust in Erinnerungen geschwelgt werden dürfte. Dieser Jubiläumstag von und für Skilehrer steht noch vor einer Schwierigkeit, wie Brosi Arnold erklärt: «Wir haben die Namen von 270 Skilehrern. Nicht von allen kennen wir aber Adressen oder Telefonnummern.» Um möglichst viele der einstigen Skilehrerinnen und Skilehrer zu erreichen, hat das Organisationskomitee um OK-Präsident Roger Nager eine Internetseite www.skilehrer-andermatt.ch eingerichtet. «Wir hoffen, so möglichst viele Skiinstruktoren zu erreichen», betont Brosi Arnold.

1 Stunde für 5 Franken
Vor 100 Jahren, als die Regierung grünes Licht gab und das erste Tarifblatt für den Skiunterricht in Andermatt herausgegeben war, kostete 1 Stunde für eine Person noch 5 Franken, 1 Stunde für zwei Personen war nur 7 Franken teuer. Sieben Skilehrer aus Andermatt, einen aus Hospental und einen aus der Göscheneralp zählte das erste Verzeichnis der patentierten Skilehrer. Skier waren zu jener Zeit aus Holz und die Skilehrer waren damals bloss an einem gelben Stoffband um den Oberarm erkennbar. Eine andere Skisportära, die nur 100 Jahre zurückliegt, und die die Skilehrer in Andermatt am 26. Januar für einige Stunden wieder zum Leben erwecken wollen.

Martina Tresch-Regli
Urner Wochenblatt, Samstag 15. September 2015/ Photo Martin Tresch-Regli/ von links Ruedi Baumann (OK),Brosi Arnold (OK), Fred Tanner (OK), Kari Danioth und Sepp Dahinden (ehemalige Skischulleiter), Astrid Nager Staub (OK).

Homepage: www.skilehrer-andermatt.ch

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Archiv

Kategorien

IMPRESSUM

Kontakt: Kontakt@bergstimme.ch Bergstimme Online Media Redaktion: Sarah Keller sk, Astrid Staub as, Erich Nager en, Kevin Obschlager ko, Webdesign by Bergstimme.ch ©2013 Auszug aus dem Redaktionsstatut: Bergstimme ist eine neutrale Website/Online Zeitung, unabhängig von politischen, konfessionellen, wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen und anderen Interessengruppen. Bergstimme konzentriert sich vornehmlich auf Geschehnisse der Gotthardregion und die angrenzenden Regionen . Bergstimme ist nur dem Interesse der Leserschaft verpflichtet.