Uri gestern als wahres Geschenk für morgen

Filmemacher bieten Einblicke in das Kantonsleben im 20. Jahrhundert Ein Badezimmer? Ein Auto oder ein Kühlschrank? Anfang des 20. Jahrhunderts nicht selbstverständlich. «Uri im Wandel» erzählt Zeitgeschichte.
Im Cinema Leuzinger herrschte am 28. Juni 2018 am Abende eine Mischung aus freudiger Erwartung und aufgeregter Spannung. Nicht nur bei den beiden Filmemachern Martin Wabel und Reto Indergand. Es kamen viele Besucherinnen und Besucher zur Premiere von «Uri im Wandel. Einblicke ins 20. Jahrhundert», die sehen wollten, was die beiden jungen Männer aus 50 Stunden eingesandten Filmstreifen der Urner Bevölkerung, Material aus Archiven der Dätwyler AG, Schweizer Armee, SBB-Historics und des Staatsarchivs Uri sowie Aussagen von Zeitzeugen aus den Jahrgängen zwischen 1921 und 1937 gemacht hatten.

Der Applaus nach 80 kurzweiligen, interessanten und teils sehr humorigen Minuten war der mehr als verdiente Lohn für rund 1300 investierte Arbeitsstunden der beiden Filmautoren. Die Zeitzeugen erzählen kapitelweise über das Leben in einer kinderreichen Bauernfamilie, wo Papa noch der Pascha war, der Nachwuchs unabdingbare Arbeitskraft und die Mutter Hof und Haushalt besorgte. Die katholische Kirche hatte das strenge Sagen, war Erziehungsinstitution und verordnete Zucht und Moral. Von Luxus war keine Rede. Kleidung wurde einmal in der Woche gewechselt und das erste eigene Badezimmer 1924 in die Dätwyler-Villa in Altdorf eingebaut. Der eigene Garten sicherte den Speiseplan und die erste Banane wurde samt Schale gegessen, weil man es einfach nicht besser wissen konnte.

Weniger glücklich war man früher aber nicht. Im Gegenteil. Die Pferdekutschen verschwanden von der Strasse, die Tram fuhr bis 1951 durch Altdorf, Kraftwerke, Eisenbahn und Industrie brachten Arbeitsplätze. Fünf Experten ordnen die historischen Entwicklungen im Kanton ein und verknüpfen die Erzählungen der Zeitzeugen zu einem wichtigen Dokument der Zeitgeschichte. Ein wahres Geschenk für die Umerinnen und Urner – auch für die von morgen.

Der Film läuft bis auf Weiteres in Altdorf. Im Herbst erscheint die DVD.

Urnerwochenblatt,Franka Kruse

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