Tempo-30-Zone sorgt für Diskussion

Die Tempo-30-Zone im Andermatter Dorfkern kommt teurer zu stehen als erwartet. Das war jedoch nicht der einzige Grund für Kritik an der offenen Dorf- gemeinde.

Urner Wochenblatt, Samstag, 25. Oktober 2014
Carmen Epp

Vor anderthalb Jahren hat die offene Dorfgemeinde entschieden: Im Andermatter Dorfkern soll Tempo 30 herrschen. Die Versammlung sprach damals einen Kredit von 32000 Franken für die Umsetzung des Vorhabens. Die Massnahmen konnten inzwischen umgesetzt werden. Seither herrscht vom Kreisel beim Coop bis ans Dorfende beim Restaurant Skiclub, auf der Bahnhofstrasse vom Tourismusbüro bis zur Kirche sowie auf der Bodenstrasse und dem Bätzweg Tempo 30.

Fast 50 Prozent teurer
An der offenen Dorfgemeinde vom vergangenen Donnerstag, 23. Oktober, wurde nun die Abrechnung der Tempo-30-Zone präsentiert. Mit Gesamtkosten von 46799 Franken wurde der vor anderthalb Jahren gesprochene Kredit um 14799 Franken – das sind knapp 50 Prozent – überschritten. «Eine gröbere Differenz», wie auch Verkehrskommissionspräsident Wolfgang Baumann zugeben musste. Er nannte zwei Gründe für die Kreditüberschreitung: Zum einen habe man mit 32000 Franken für das Projekt wohl zu wenig veranschlagt. Zum anderen habe die Parkplatzbewirtschaftung Abklärungen beim Rechtsdienst nötig gemacht, welche die Kosten zusätzlich in die Höhe trieben.

Nutzen infrage gestellt
Die Kostenüberschreitung stiess auf Unmut in der Versammlung. «Jetzt haben wir fast 50000 Franken für etwas ausgegeben, das letztlich nichts gebracht hab>, hiess es etwa aus der Ver- sammlungsmitte. Eine Einbahnstrasse würde den Fussgängern mehr bringen, so das Votum. Auch andere Versammlungsteilnehmer stellten den Nutzen der Tempo-30-Zone infrage. Stein des Anstosses war dabei ein Hinweispfeiler beim Kreisel beim Coop. Dieser wurde anstatt in der Strasse auf dem Trottoir versenkt. Für einige Versammlungsteilnehmer unverständlich. «Anstatt den Verkehr zu beruhigen, werden nun die Fussgänger blockiert, welche dem Pfeiler auf die Strasse hin ausweichen müssen», so ein Votum. Wolfgang Baumann erklärte, dass die Position des Pfeilers in Absprache mit dem Kanton beschlossen wurde und dieser nun bis auf Weiteres dort versenkt bleibe. Trotz der geäusserten Kritik an der realisierten Tempo-30-Zone wurde die Abrechnung grossmehrheitlich genehmigt, drei Personen enthielten sich der Stimme.

Am Ende ein Nullsummenspiel
Gute Nachrichten gab es schliesslich von der Neugestaltung des Freizeit- und Pausenplatzes beim Bodenschulhaus. Hier fielen die Gesamtkosten mit 15406 Franken zwar auch etwas höher aus als angenommen. Da die Andermatt Swiss Alps (ASA) ihre Beteiligung am Projekt von 130000 auf 150000 Franken erhöhte, hat die Gemeinde nur noch rund 4000 Franken Restkosten zu tragen – 14239 Franken weniger als von der offenen Dorfgemeinde vor einem Jahr bewilligt wurde. Und so wurde diese Abrechnung an der offenen Dorfgemeinde denn auch einstimmig genehmigt. «Die Einsparung deckt fast genau die Mehraufwendungen bei der Tempo-30-Zone», rief Gemeindepräsident Roger Nager in Erinnerung. «Das ergibt quasi ein Nullsummenspiel.»

Schneeräumung:

Auch ASA interveniert
Im Zusammenhang mit der Tempo- 30-Zone war auch der Winterdienst an der offenen Dorfgemeinde erneut ein Thema. Mit dem ersten Schnee zeigten sich wieder dieselben Probleme: «Die Strassen sind zwar geräumt, doch auf den Trottoirs ist wieder kein Durchkommen», so ein Votum aus der Versammlungsmitte. Roger Nager erklärte, dass die Gemeinde im No- vember mit dem Kanton bezüglich Winterdienst zusammensitzen werde. «Dort werden wir das Thema erneut ansprechen. Dabei erhält die Gemeinde auch Schützenhilfe von der ASA. Wie Roger Nager erklärte, habe sich das Unternehmen mit einem Brief an den Kanton gewandt und seinen Unmut über die Situation mit der Schneeräumung deponiert.

Gute Aussichten im Finanzplan
Die Gemeinde rechnet mit einem positiven Rechnungsabschluss für 2015. Bei einem Gesamtaufwand von 6,694 Millionen Franken wird ein Ertragsüberschuss von 40842 Franken budgetiert (UW vom 1l. Oktober) – laut Roger Nager «sehr erfreuliche Nachrichten». Und so soll es auch in Zukunft weitergehen. Der Finanzplan der Gemeinde rechnet mit einem Aufwärtstrend für die kommenden Jahre. Dies vor allem durch steigende Steuereinnahmen, wie Kassier Daniel Christen ausführte. Es zeichne sich ein klares Bild ab:
Der Ertragsüberschuss der Gemeinde wird von Jahr zu Jahr steigen. Trotzdem will man den Steuerfuss bei 120 Prozent belassen – allerdings mit guten Aussichten auf eine Steuersenkung ab 2016, so Roger Nager. Sowohl das Budget als auch der Steuerfuss wurden von der Versamm- lung einstimmig angenommen.

Personen unterführung bleibt Thema
Ende September hat das Andermatter Stimmvolk an der Urne den Kredit von 1,85 Millionen Franken für den Gemeindebeitrag an die neue Personenunterführung beim Bahnhof mit 245 zu 221 Stimmen knapp abgelehnt. Vom Tisch ist das Thema damit aber noch nicht, wie Roger Nager an der offenen Dorfgemeinde informierte. «Die Gemeinde ist in der Pflicht, da kommen wir nicht drum- herum.» Der Gemeinderat werde im kommenden Jahr das Anliegen mit einem überarbeiteten Antrag erneut vorbringen. «Das letzte Wort hat aber auch dann wieder das Stimmvolk», so Roger Nager.

Gemeinderat zur Wiederwahl
Am 30. November kommt es in Andermatt zu geheimen Wahlen an der Urne. Im Gemeinderat stellen sich Vizepräsidentin Yvonne Baumann- Graf, Sozialvorsteher Peter Baumann-Walker sowie die Mitglieder Elisabeth Rüegg-Jucker und Wolfgang Baumann-Baumann zur Wiederwahl zur Verfügung. Im Schulrat treten Präsident Manfred Zurfluh- Andersson, Vizepräsident Armin Baumann-Nager, Verwalter Alfred Nager-Lussmann sowie die Mitglieder [ovita Bonetti-Cavegn und Albertina Jörg-Buccione ebenfalls für eine weitere Amtsdauer zur Wahl an. In- offener Abstimmung an der Dorfgemeinde einstimmig wiedergewählt wurden Baukommissionspräsident « Rene Christen-Koch sowie die Baukommissionsmitglieder Stefan Walker-Brandstetter und Pirmin Epp- Bünter. Ignaz Zopp-Russi und Markus Regli haben nach acht Jahren ihren Austritt aus der Geschäftsprüfungskommission bekannt gegeben.  Als Ersatz wurden Helen Epp-Gisler und Max Simmen einstimmig gewählt.

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