Neues Argument fürs Schneesportzenter

Neues Argument fürs Schneesportzentrum: Eisläufer möchten gerne im Urserntal ihr Höhentraining absolvieren. Und dafür braucht es eine Kunsteisbahn.

ANIAN HEIERLI
anian.heierli@urnerzeitung.eh

Der Schweizer Eislaufverband (SEV) setzt auf Andermatt und möchte im Urner Bergdorf eine neue Eisschnelllaufbahn realisieren. «Andermatt ist wegen seiner zentralen und hohen Lage bestens geeignet», sagt Thomas Grob, Chef der Kommission Speed beim SEV. Damit das Projekt zu Stande kommt, braucht es aber Unterstützung von Bund, Kanton und Gemeinden.

Eisbahn birgt touristische Chance
Der SEV hofft nun, dass das Bundesamt für Sport (Baspo) eine Kunsteisbahn in das geplante nationale Schneesportzentrum integriert. Erste Gespräche haben bereits stattgefunden. Wann und wo das Schneesportzentrum gebaut wird, entscheidet der Bundesrat Ende 2014, heisst es beim Baspo auf Anfrage.
Zurzeit stehen mehrere Standorte zur Debatte. Favorit ist die Lenzerheide, dicht gefolgt von Andermatt und Engelberg. «Für die Eisschnelllauf-Szene eignet sich vor allem Andermatt oder Engelberg», sagt Grob. Dies, weil ein Grossteil des Schweizer Nachwuchses aus der Zentralschweiz stamme. Für Andermatt spricht aber noch ein zweites wichtiges Kriterium – und zwar die hohe Lage von über 1400 Metern. «Im mitteleuropäischen Raum gibt es keine 400-Meter-Kunsteisbahn als Trainingsmöglichkeit in dieser Höhe», so Grob. Und weilEisschnellaufen eine Ausdauersportart sei, könnten die Sportler von einem Höhentraining stark profitieren. Deshalb birgt eine Eisschnellaufbahn in Andermatt für Grob auch eine grosse touristische Chance. «Ich bin überzeugt, dass Spitzenteams aus anderen Ländern wie Österreich, Deutschland, Holland und sogar aus Übersee zum Höhentraining nach Uri reisen würden.»
Für den SEV sind zwei Varianten einer Eisschnelllaufbahn denkbar. Die teurere Option ist eine überdachte Anlage, die ein ganzjähriges Training ermöglicht. Die günstigere Option ist eine offene 400- Meter- Kunsteisbahn, die von Oktober bis März betrieben wird. Die Höhe der Kosten ist noch nicht bekannt. Es gibt aber mobile 400-Meter-Kunsteisbahnen, die vermietet werden. Miete und Betrieb kosten rund 2 bis 3 Mil- lionen pro Jahr.

Dringend Trainingsplätze benötigt
Heute haben die Schweizer Eisschnellläufer viel zu wenig Trainingsmöglichkeiten. Die einzige Bahn, die 400 Meter lang ist, befindet sich in Davos und besteht aus Natureis. «Es gibt noch weitere kleinere Natureisbahnen in Zürich», so Grob. «Doch eine Kunsteisbahn mit olympischen Massen fehlt. Und das wäre fürs Training enorm wichtig. Ansonsten hat der Sport Mühe, sich weiterzuentwickeln,» Deshalb nimmt der Schweizer Nachwuchs heute regelmässig eine Strecke von mindestens 300 Kilometern in Kauf. Die Athleten trainieren in Österreich in Innsbruck und Inzell oder im italienischen Collalbo.
Eine 400-Meter-Eisbahn braucht etwa gleich viel Platz wie eine Leichtathletikbahn. «Dieser kann aber sinnvoll für weitere Sportarten genutzt werden. In Inzell wird das auch so gehandhabt», sagt Grob. Im Zentrum der Bahn wäre etwa genügend Platz für ein Eisfeld mit Tribüne. Und dort könnte ein Eishockeyteam trainieren. Laut SEV besteht auch die Möglichkeit, die Eisbahn in Davos zu erneuern. Doch dieses Projekt hängt nicht mit dem Schneesportzentrum zusammen. Das neue Zentrum soll es ermöglichen, an einem zentralen Ort zu günstigen Konditionen Wintersportlager durchführen zu können.

Neue Urner Zeitung Dienstag, 17. Juni 2014

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Archiv

Kategorien

IMPRESSUM

Kontakt: Kontakt@bergstimme.ch Bergstimme Online Media Redaktion: Sarah Keller sk, Astrid Staub as, Erich Nager en, Kevin Obschlager ko, Webdesign by Bergstimme.ch ©2013 Auszug aus dem Redaktionsstatut: Bergstimme ist eine neutrale Website/Online Zeitung, unabhängig von politischen, konfessionellen, wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen und anderen Interessengruppen. Bergstimme konzentriert sich vornehmlich auf Geschehnisse der Gotthardregion und die angrenzenden Regionen . Bergstimme ist nur dem Interesse der Leserschaft verpflichtet.