Der SAC zeigt sich einsichtig

Der SAC kommt auf seine Stellungnahme zur Erweiterung des Skigebiets Andermatt-Sedrun zurück. Er verzichtet auf weitere Gutachten und revidiert seine Einwände gegen die geplanten Beschneiungsanlagen.

Text: Peter Camenzind, Redaktor „Die Alpen“

«Zufahrt nur mit Bewilligung der Korportion Ursern», steht auf dem Fahrverbotsschild am Eingang zum Unteralptal oberhalb von Andermatt. Auf dem Beifahrersitz sitzt Alex Renner,
Talammann der Korporation. Die Renners sind seit dem 14. Jahrhundert hier oben in der Ursern im Tal. «Wir haben uns immerum unser Land gekümmert und es geschützt», sagt Renner, «die heute noch weitgehend unberührte Natur verdankt die Allgemeinheit den Talleuten von Ursern.» Man setze sich gerne mit Umweltanliegen auseinander. «Was aber aufstösst, sind die Bevormundungsversuche.» So werde die Selbstverwaltung zunehmend über umweltrechtliche Instrumente infrage gestellt. Ein Resultat des Zusammenspiels staatlicher Instanzen und der beschwerdeberechtigten Umwelt- und Sportorganisationen.

In einem schwarzen Auto nähert sich «Ruedsch- Russi, der nach den Geissen im Tal geschaut hat: «Seitjahren kümmern wir uns um den Weg hinauf zur Vermigelhütte», sagt er, und der SAC, aber auch die anderen Umweltschützer machen ihn sauer. «Es wäre nicht das erste Mal, dass Störer über die Teufelsbrücke in die Schöllenen hinabgejagt werden, wie damals in den Vierzigern», sagt Russi. Damals sollte die Ursern zur Stromproduktion geflutet werden (vgl. Tages-Anzeiger, 18.6.2011). Man hatte die Rechnung aber ohne die Urschner gemacht. 200 Männer prügelten den Ingenieur Fetz, der im Tal Häuser aufkaufte, hinab bis Göschenen.

Verträge tür SAC-Hütten
Franz Steinegger, intimer Kenner der Verhältnisse im Tal und Präsident des CC Gotthard (1989-1991), war an der Talgemeinde vom letzten Mai dabei, als sich die Bürger der Korporation Ursern vor der Pfarrkirche in Hospenta lversammelt hatten: «Die Stimmung ist gereizt.» Der SAC werde dort in erster Linie als Umweltschutzverband wahrgenommen, dem die Entwicklung des Tals egal ist. Aus Sicht der Bürger setze sich der SAC im Rahmen des Baus von Sawiris Resort und der Verbindung der Skigebiete Andermatt und Sedrun einseitig für den Schutz der Landschaft ein. «Man hat unter den Korporationsbürgern den Eindruck gewonnen, dass der SAC alleine für die Auflagen verantwortlich ist.» Und nun hat sich «der Konflikt zwischen dem Umweltamt des Kantons Uri und der Korporation über dem SAC entladen», analysiert Steinegger den umweltpolitischen Forderungen schiessen wir uns regionalpolitisch selbst in den Fuss. Und letztlich kann die touristische Morgenröte im Raum Andermatt tolle Perspektiven für den Bergsport und unsere Hütten bieten.»

Wie Missverständnisse entstehen Aus Sicht der Korporation lief eine ganze Menge falsch, und da wurde auh. Die Korporation stellt nämlich die Verlängerungen der Baurechtsverträge für die Albert-Heim- Hütte und die Vermigelhütte infrage, die in den nächstenjahren anstehen.

Eigene Umweltpolitik

Der Eindruck, der SAC lasse sich von den Umweltverbänden vor den Karren spannen, stimme absolut nicht, sagt Fridolin Brunner, im Zentralvorstand für das Ressort Hütten zuständig. «Als Nützer und Schützer sind wir die prominentesten im Bunde der Einsprecher, machen jedoch eine eigenständige Umweltpolitik.» Es könne nicht darum gehen, die Repositionierung eines bis anhin militärisch stark genutzten Gebietes wie Andermatt- Sedrun zu verhindern, so Brunner. «Wir haben auch die Aufgabe, die hüttenbesitzenden Sektionen in ihren Bestre- bungen bei Bauvorhaben, Verlängerungen von Bau- und Wasserrechten zu unterstützen. Mit allzu einschneidenden umweltpolitischen Forderungen schiessen wir uns regionalpolitisch selbst in den Fuss. Und letztlich kann die touristische Morgenröte im Raum Andermatt tolle Perspektiven für den Bergsport und unsere Hütte bieten.

Wie Missverständnisse entstehen
Aus Sicht der Korporation lief eine ganze Menge falsch, und da wurde auch einiges vermischt. So versteht Talammann Renner absolut nicht, weshalb ein Entwurf für das Reglement über die Landschaftsschutzmassnahmen im Unteralptal beim SAC und bei den anderen Umweltverbänden gelandet ist und diese zur Stellungnahme eingeladen worden sind. «Der Kanton Uri hat versprochen, dass das Reglement im Sinne einer Vorvernehmlassung zusammen mit der Korporation erarbeitet wird», sagt er. Und wittert ein Komplott der Umweltschützer.

SAC will Bau nicht verzögern
Dem tritt Rene Michel, Ressortleiter Umwelt im Zentralvorstand (ZV) entschieden entgegen. So habe man sich nie gegen den Bau des Resorts von Samih Sawiris gewehrt, und bei der Erweiterung des Skigebiets nur die Dimensionen in Frage gestell.
Für ZV-Mitglied Fridolin Brunner ist klar, dass nun ein Strich unter die Angelegenheit gezogen werden muss. «Wir sind ein langjähriger Vertragspartner der Korporation. Unter Part- nern gehört es sich, dass man miteinander redet.» Im Gespräch lassen sich die Positionen am besten klären und Missverständnisse ausräumen. Dies hat dazu geführt, dass der Zentralvorstand seine Position in Bezug auf die Erweiterung des Skigebiets angepasst hat, «etwa, indem er darauf verzichtet, weitere Gutachten zu verlangen, was den Ausbau des Skigebiets verzögert hätte», wie Jerun Vils, der Geschäftsführer des SAC, ausführt. «Ebenso haben wir keine Einwände gegen die geplanten Pisten sowie die bestehenden und die geplanten Beschneiungsanlagen am Nätschen beziehungsweise am Gämsstock.» Als Konsequenz ziehe der SAC seine Stellungnahme zu den Ersatzrnassnahmen eines Landschafts- schutzgebiets im Unteralptal zurück, «wir erwarten, dass sich alle Parteien an die im Januar getroffene Vereinbarung halten».

Der SAC in Andermatt
Der SAC hat 2011 wie auch andere Umweltverbände gegen Teile der Skigebietserweiterung Einsprache erhoben. Im Januar 2013 haben sich die beteiligten Parteien auf einen Kompromiss geeinigt und eine Vereinbarung unterzeichnet. Ziel war ein redimensioniertes Projekt. Die Vereinbarung enthält unter anderem: weniger und naturverträglichere Pisten zwischen Nätschen und Oberalp, Rückbau der stillgelegten Anlagen am Winterhorn und vorerst Verzicht auf Bahnanlagen im Gebiet St. Anna-Lücke/St. Anna- Gletscher. Das Bundesamt für Verkehr wird nun das angepasste Gesamtprojekt beurteilen.

Siehe auch: www.sac-cas.ch /mwelt / Landschaftsschutz/ Erschliessung

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