Reini Regli, ein Andermatter im Swiss-Ski-Präsidium

Chrampfer und Stratege im Hintergrund

Er gehört zu jenen, die für jeden Sportverband ein Glücksfall sind. Einer, der im Hintergrund «chrampft», aber trotzdem den klaren Blick fürs Wesentliche hat – ein Stratege, der es sich nicht zu schade ist, Knochenarbeit zu leisten. Reini Regli, zusammen mit Peter Barandun amtsjüngstes Mitglied im Swiss-Ski-Präsidium, kennt den Skisport in allen Facetten.

Reini Regli (59) sucht das Rampen­licht nicht. Während es im letzten Winter die meisten zur alpinen WM nach Schladming zog, ging er zu den Nor­dischen ins Val di Fiemme und zur Jugend­ und Junioren-WM der Biathleten nach Obertilliach. Und als in Sölden Swiss-Ski sich über den Triumph von Lara Gut freute, weilte er im Kaunertal beim Training «seines» SSW, dem Skiverband Sarganser­ land-Walensee, dem kleinsten Regionalverband von Swiss-Ski, den er seit 13 Jahren präsidiert.

«Zwei Herzen schlagen in meiner Brust», sagt Regli, «mir ist der Alpinski­sport sehr wichtig, aber auch Langlauf und Biathlon. Ich versuche diese Sparten nach bestem Wissen und Gewissen im Präsi­dium zu vertreten.» Zumal sein Bruder Markus Chef der Biathleten ist.

Viel erreicht mit Engagement und Ein­satz. Rund 800 Stunden «investiert» er in den SSW. Das sind zirka 100 Arbeitstage. Dazu kommen noch gegen 40 Tage für Swiss-Ski, wie sein Vorgänger Roger Fehr hochgerechnet hatte, den er vor einem Jahr als Vertreter der Interregion Ost ab­löste. «Wenn du etwas machst, dann ma­che es richtig», hatte ihm sein Vater einst auf den Weg gegeben.

Vielleicht hat sein Vater, Wachmeister beim damaligen Festungswachkorps in Andermatt, indirekt auch seinen berufli­chen Weg mitbeeinflusst. Nach seiner Lehre als Maschinen-schlosser bei der Brown Boveri in Oerlikon (der heutigen ABB) und der Zusatzausbildung zum tech­nischen Kaufmann schlug er im Alter von 25 Jahren eine Karriere als Berufsoffizier ein, die den Urner ins St. Galler Oberland [nach Vilters) brachte. Siebeneinhalb Jah­re kommandierte er als Oberst die Rekru­tenschule Mels.

Vor anderthalb Jahren ging er in den sogenannten Vorruhestand, wie eine Früh­pension militärtechnisch heisst – was aber vielmehr einem Jobwechsel gleichkam, quasi vom Berufs-militär zum (unbezahl­ten) Berufsfunktionär. Dass mit Engagement viel zu erreichen ist, bewies Regli mit seinem Regionalverband. «2011 waren zwölf SSW-Fahrerinnen und -Fahrer in einem Swiss-Ski-Kader, allein alpin», zieht Regli nicht ohne Stolz Bilanz, nachdem der SSW jahrelang im Weltcup nicht mehr vertreten war. Patrick Küng, Junioren-Weltmeister Ralph Weber und Rahel Kopp, die eben in Sölden ihr Welt­cup-Debüt gab, sind die Aushängeschilder. Daneben darf sich auch die Langlauf-Ab­teilung mit Nati-Mitglied Remo Fischer, den Geschwistern Jäger sowie die Snow­board-Abteilung mit Julie Zogg und Jerorn Lymann sehen lassen. Und mit Marie- The­res «Maite» Nadig als Trainerin und Vreni Schneider als «Patin» sind zwei Mehrfach­ Olympiasiegerinnen aktiv in den Reihen des SSW.

Vorbildlich und leidenschaftlich. «I n unserem Verband herrscht der Grundsatz: Disziplin ist Garant für den Erfolg», erklärt Regli seine Maxime. «Ich bin der Meinung, dass die Jungen sich wohlfühlen in diesem Rahmen, wenn ihnen die Leitplanken aufgezeigt werden. Bedingung ist: Man muss es vorleben und konsequent sein. Man kann nicht heute ein Auge zudrücken und morgen streng durchgreifen.»

Ein ebenso wichtiger Faktor ist für ihn die Leidenschaft: «Mit Thomas Nadig, dem Bruder von Maite, der für mich einer der besten Trainer der Welt ist, obwohl er nie im Weltcup gearbeitet hat, Maite selber, Erwin Cavegn oder auch dem jungen Andy Nadig haben wir im SSW Trainer, die mit Herzblut bei der Sache sind. Sie arbeiten sieben Tage in derWoche und, wenns nötig ist, 24 Stunden. Sie machen das aus Lei­denschaft.» Diese Einstellung vermisse er mitunter bei den Trainern. «Um besser zu sein als die andern, muss man härter und noch intensiver arbeiten.»

Über Führungskräfte hat er eine diffe­renzierte oder fast ultimative Ansicht: «So etwas kann man nur bedingt lernen. Ent­ weder hat man solche Eigenschaften – oder nicht. Das ist wie bei Skitrainern.» Eine gewagte Aussage? «Ich spreche von guten Skitrainern. Das muss einem gegeben sein. Man kann sich zwar gewisse Kompetenzen aneignen, aber wenn du eine schwache Führungspersönlichkeit bist, dann nützt dir auch ein Rucksack von Fachwissen nichts.»

Rotationsprinzip für Trainer. Nach seiner Ansicht müssten die besten Trainer beim Nachwuchs sein: «Die Basis für spätere Erfolge wird bis zur Pubertät erarbeitet.» Regli schwebt ein Rotationsprinzip vor: «Franz Heinzer, Maite Nadig, Erwin Cavegn oder auch Reto Schläppi sind für mich Beispiele. Sie kehrten vom Weltcup in den Europacup oder noch weiter zurück. Ein Trainer sollte über den Skiclub, den Regio­nalverband, das NLZ nach oben gehen, aber auch wieder zurückkommen, ohne Lohneinbusse. Ich bin auch im Beirat des Leistungszentrums Ost. Jedes Jahr müs­sen wir zittern, dass uns Swiss-Ski die Trainer «abruft» und wir wieder Ersatz suchen müssen. Deshalb sollten Trainer bis auf Stufe NLZ beim Verband angestellt sein. Das würde auch die «Durchlässig­keit» gewährleisten.»

Regli befürwortet «eine leistungsorientierte Entlöhnung. In einer Leistungsver­einbarung würden die Ziele festgelegt. Ein Beispiel: Man hat sechs Fahrer. Vier von ihnen könnten Ende Saison unter die ers­ten zehn kommen. Das ist das Ziel. So kann man nicht immer nur neben jenem stehen, der gerade der beste ist. Der Trainer ist gezwungen, sich um alle zu kümmern. Wir verlieren zu viele Fahrerinnen und Fahrer, die Drop-out-Rate ist zu gross.»

«Wir stellen», erklärt Regli, «bereits bei den 15-Jährigen die Weichen. Aber ob wir die Richtigen selektionieren, ist ein qros­ses Fragezeichen.» Auch die Weltcup-De­bütantin Rahel Kopp sei nicht auf direktem Weg in ein Swiss-Ski-Kader gekommen. Und selbst eine Vreni Schneider oder Son­ja Nef, immerhin die besten Skirennfahrer in den letzten zwei Jahrzehnten, schafften einst den direkten Aufstieg nicht. Reini Regli weiss, wovon er spricht. Er kennt den Skisport von der Pike auf. Und ist imstan­de, auch auf dem «Peak» ein ernsthaftes Wort mitzureden.

Das Schweizer Schneesprtmagazin „snowactive“
Richard Hegglin

 

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