Starke Negativentwicklung der Logiernächte in Andermatt

An der Schwelle zur Sommersaison 2013 erscheint es angezeigt, die Entwicklung der Logiernächte der vergangenen sechs Jahre (2007-2012/13) in Andermatt, näher zu betrachten. Die Daten des Bundesamts für Statistik, hier ist nur Andermatt aufgeführt, sind für die übrigen Gemeinden  im Urserntal
im Verlauf ähnlich.

Logiernächte 2007-2012 Andermatt

Ziemlich ernüchternd ist die Feststellung, dass die Gesamtzahl der Logiernächte von rund 73’000 in 2007 auf rund 61’000 in 2012 abgesunken ist , was einem durchschnittlichen Rückgang von 20% pro Jahr entspricht. In der Statistik ist die Zahl der erfassten Betriebe unverändert  geblieben. Leider hat auch die Auslastung der Zimmer um über zwanzig Prozente abgenommen.

Statistik Logiernächte Andermatt alle Monate

Als ein saisonaler Hauptmarkt gilt das Sommergeschäft und hier findet man Uri im Vergleichsjahr 2012 zu 2011 mit dem viertgrössten Rückgang (7.7%) in der Statistik aller Kantone wieder. Dabei haben die Logiernächte in  Andermatt im Hauptmonat Juli von 2011 auf 2012 um 12% und von 2010 auf 2012 gar 23% eingebüsst.

Fakt ist auch, dass das Gros der Logiernächte nicht auf den Sommer fällt, sondern dass die Wintermonate Januar, Februar und März über ein Drittel mehr an Übernachtungen aufweisen. Vielmehr dürfte eine Verschiebung des Marktes Grund dafür sein, dass der Sommer (Hochsaison) nicht mehr alleiniger Umsatzträger in Andermatts Tourismusgewerbe ist.

Offensichtlich wächst ein neuer, wichtiger  Umsatzträger heran, nämlich  die  Vor- und Nachmonate zur „grünen Saison“, Sommer/Herbst. Auf tiefer Auslastung wohlverstanden, hat sich diese „Zwischensaison“ verhältnismässig gut gehalten. Lediglich der Monat Juni hat im Vergleich zum Vorjahr (6483 Logiernächte) 20% verloren und gilt als schwächelnder Monat der „Zwischensaison“2012  (5147 Logiernächte).  Zweifellos sind die Witterungsverhältnisse, Schneesicherheit, Sonnentage etc., wichtige Voraussetzung für ein erfolgreiches  Geschäft in den Vor- und Nachmonaten Sommer/Herbst.

Leider hat ein ganzes Drittel eines Jahres über den gesamten Vergleichsraum von 2007 bis 2012 sehr schwache Logiernächtezahlen. Die Monate April, Mai, Oktober und November zusammen erreichen gerade mal knapp 6300 Übernachtungen. Dabei verzeichnet lediglich der November ein  Wachstum , allerdings auf sehr tiefem Niveau  (von 504 auf 644) und im Sechsjahre Vergleich hat auch dieses Drittel einen Abwärtstrend.

Fazit! Der Vergleich der Entwicklung der Logiernächte in Andermatt von 2007 bis 2012 zeigt, dass gewichtet in den Hauptumsatzmonaten (Januar, Februar, März, Juli, August) ein geradezu dramatischer Rückgang an Logiernächten zu verzeichnen ist. Grund allein ist mit Sicherheit nicht allein eine Marktverschiebung, sondern auch eine Substitution in der Nachfrage. Ausdruck dafür sind denn auch die schleppenden, beziehungsweise rückläufigen Skierdays.  Im Geschäftsbericht 2011/2012 reklamieren die Andermatt Gotthard Sportbahnen einen Übernachtungsrückgang von 5000 Logiernächten im Winter für den schleppenden Geschäftsgang. Diese Zahl betrifft zweifellos unmittelbar die Anzahl Skierdays, womit der mögliche Beitrag der Logiergäste zur Erreichung der anvisierten Skierdays in der Skiarena Andermatt-Sedrun relativiert werden muss. Vielmehr ist die allgemeine Nachfrage und das veränderte Konsumverhalten Ursache für die Entwicklung bei den Logiernächten und den Skierdays.

Und in Zukunft? Können die Tourismusverantwortlichen es sich leisten, weiter auf Image und Markenbildung, auf werbeträchtige Adjektive der künftigen Premium Destination zu setzen und auf den pragmatischen Weg in der Gegenwart ohne Umschweife rasch mehr Gäste zu finden, zu verzichten? Sind es die fehlenden Ideen, die die Profis im Tourismusgeschäft ratlos erscheinen lassen, oder das Ausblenden der Wichtigkeit des Tourismus als entscheidender Wirtschaftsfaktor Andermatts? Tatsächlich sind es doch private Initiativen, wie die Freilichtspiele (heuer Tyyfelsbrigg) und aktive „Einzelkämpfer“, die mit ihren geschaffenen Angeboten und  Dienstleistungen, einen wesentlichen Beitrag an das Gesamte erbringen und so Andermatt als Aufenthaltsort mit Übernachtungsmöglichkeit fördern. Rasches Wachstum in den Logiernächten ist aber enorm wichtig, weil hier nicht nur zentrales Einkommen der Betriebe geschaffen wird, sondern das ganze Gemeinwesen in Form von Steuern davon profitiert.

Wenn Andermatt (AUT) die Tourismusregion Urserntal / Oberland, rasch und mit nachhaltigem Erfolg aus der “ Logiernächte Misere“ führen will, ist nicht nur das Umsetzen der Letter of Understanding vom 8. April in Sedrun, mit den Partnern aus der Nachbarschaft und der Stiftung San Gottardo notwendig.  Auch der partnerschaftliche Einbezug aller Gemeinden der Tourismusregion (inklusive Göschenen, Wassen, Gurtnellen) und auch privater Interessenten muss in voller (auch finanzieller) Transparenz geschehen und unter der Voraussetzung, dass alle Entscheide unter Befolgung von üblich angewendeten Geschäftsprozessen erfolgen. Die strategische Geschäftsführung der Tourismusorganisation und die Kontrolle  der operativen Führung verlangt nach einer Corporate Governance entsprechend  auch den Punkten gemäss Art. 663 a/b OR, die mit der aktuellen Gesellschaftsform klar nicht erfüllt wird. Wenn alle „Wirtschaftssubjekte“ der Tourismusregion über „ihre“ Tourismusorganisation sich einbringen können, sind die Erfolgsaussichten für einen Turn Arround im zentralen Übernachtungsgeschäft viel besser.

 

 

 

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Archiv

Kategorien

IMPRESSUM

Kontakt: Kontakt@bergstimme.ch Bergstimme Online Media Redaktion: Sarah Keller sk, Astrid Staub as, Erich Nager en, Kevin Obschlager ko, Webdesign by Bergstimme.ch ©2013 Auszug aus dem Redaktionsstatut: Bergstimme ist eine neutrale Website/Online Zeitung, unabhängig von politischen, konfessionellen, wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen und anderen Interessengruppen. Bergstimme konzentriert sich vornehmlich auf Geschehnisse der Gotthardregion und die angrenzenden Regionen . Bergstimme ist nur dem Interesse der Leserschaft verpflichtet.