Heini eine lebende Legende – vom Tellerwäscher zum Unternehmer


Heini Holzhauser ist eine lebende Legende, mit viel Charme und guter Laune hat er Andermatt geprägt wie kein anderer. Gut ist er noch in Erinnerung, Heini und seine Haflinger Pferde, oder Heini als Sternen Wirt.Heini auf dem Kutschbock als Postillion der Gotthardpost, fünf Pferde vorgespannt, stolz mit Bart und Hut mitten im Gotthardgebirge, ein Bild wie ein Gemälde oder Heini in der Kochschürze immer gutgelaunt im Restaurant Sternen, für jeden und jeder hatte er ein freundliches Wort. Mit seiner Frau Loly waren sie das Wirtepaar von Andermatt. Wie haben doch Heini  und Loly Andermatt mitgeprägt, durch ihre zuvorkommende Art und Freundlichkeit, ein Vorbild für Jung und Alt!

Als Kinder haben wir ihn geliebt, durften wir teilhaben an seiner Tierliebe, ob Pferde, Katzen, Hunde, Ziegen oder Hasen.  Jetzt ist er leider weg, sein Stall in der Mühle, wo doch so viele Erinnerungen geblieben sind. Der Platz, jetzt Tennisplatz, wo früher seine Frau Loly uns Kindern das reiten lernte. Der Stall und das Kutscherstübli, mit Wehmut bleiben uns die Erinnerungen.

Doch fangen wir von vorne an:

Heini ist geboren am 03.07.1936 in Rattenbach in Niederbayern im Sternzeichen Krebs. Aufgewachsen mit vier Brüdern und einer Schwester. Mit vierzehn Jahren lernte Heini das Handwerk als Handschuhmacher  in einer  Schuhfabrikation. Der  Lohn  damals war 1.20 DM. Mit 20 Jahren auf der Suche nach Arbeit, lernte er einen Musiker kennen und ist nach Andermatt in die Schweiz gekommen und geblieben.

Im Hotel Bergidyll, bei der Familie Fryberg war Heini der Mann für alle Fälle sei es als Portier, Barman und Unterhalter. Dies war eine turbulente Zeit.  Unter anderem reiste Heini ohne Arbeitsbewilligung in die Schweiz, da musste schon mal Reto Fryberg, sein Chef einspringen und Heini aus der Zelle in Altdorf abholen. Doch auch diese Hürde wurde genommen und die offizielle Einreise mit allen Dokumenten wurde nachgeholt.

HEINI UND SEINE  ERSTE UND ZWEITE LEIDENSCHAFT

1962 kam Peter Fryberg auf die Welt und es wurde ein Kindermädchen gesucht. Loly aus England trat diese Stelle an. Schnell wurde Loly Heini‘s grosse Liebe. Neben Loly hatte er noch eine zweite Leidenschaft, einen roten MG A UR 938 Jg 61. Mit einem riesen Stolz unternahm er mit seiner Herzdame und dem roten  Cabrio Spritztouren im Gotthardgebiet. Schon damals fiel er im Urschnertal auf. 1968 heirateten Heini und Loly in England. Zwei Jahre später wurde ihr Glück perfekt, 1970 kam Marc und 1971 Tom auf die Welt.

HEINI UND SEINE DRITTE GROSSE LEIDENSCHAFT

In der gleichen Zeit lernte Heini den Präsidenten der Haflinger Pferdezucht aus der Ostschweiz kennen. 1969 wurde eine Gruppe, bestehend aus Heini und Einheimischen gegründet, mit dem Ziel ein Tourismusangebot mit  Pferden zu schaffen. Hinter dem Restaurant Bären entstand der erste Pferdestall in Andermatt. Vier Haflingerpferde wurden eingestellt. Im  Umgang mit Pferden hatten sie jedoch selber nicht sehr viel Ahnung aber viel Selbstvertrauen. Es wurden selbstgemachte Reitkarten für Reitstunden geschrieben und im ersten Winter wollte man zur Betreuung der Pferde einen Spanier anstellen.  Als dieser aber mit der ganzen Familie anreiste und keine Arbeitsbewilligung und keine entsprechende Wohnung für die ganze Familie fand, musste der (fast) erste Pferdepfleger wieder nach Hause zurück reisen.

Im Dezember kam dann Fredi aus dem Thurgau. Empfohlen wurde er vom Bauernpräsident der landwirtschaftlichen Genossenschaft. Mit seinem eigenen Pferd ritt Fredi nach Andermatt. Er übernahm die Pferdepflege, gab Reitstunden und organisierte Schlittenfahrten mit Fonduepartys in Hospental.

Im Sommer mussten jedoch wieder drei Pferde zurück in den Thurgau.  Es blieb noch ein Pferd übrig – Moni. Sie gehörte einem Tierarzt, der für 3 Jahre ins Ausland musste. Der Stall hinter dem Bären wurde aufgegeben und Moni, sie war trächtig, kam in den Stall in der Mühle.  Zu ihr gesellte sich Setty von Paul Favez vom Hotel Helvetia. Heini kümmerte sich von da an um beide Pferde.  Am 18. Mai 1971 kam Nelson, am Hochzeitstag von Heini und Loly in Andermatt zur Welt. War das eine Freude. Dazu kam Muck, ein wunderschöner Wallach, der leider nicht als Zuchthengst zugelassen wurde. Zu dieser Zeit gab es noch keinen Tennisplatz und man hatte genügend Platz um mit den Pferden zu arbeiten. Loly bot Reitsstunden für die Kinder von Andermatt an. Eine Reitstunde kostete 50 Rappen. Zu den ersten Reiter zählten Markus , Heinz, Meini  und Hanspeter, wie die Mädchen Lisa und Cony. Cony hat das Pferdefieber beibehalten und betreibt heute mit ihrer Familie eine Ranch in Kandada in Eagle Creek (siehe www.kayanara.ch). Viele Andermatter Kinder wurden dank Heini mit dem Pferdevirus angesteckt.  Evi, Astrid, Sandra,  Dani, Jürgen, Ann, Antoinette, Heidi, Sarah, Andrea, Lerice, Mark und Tom und wie sie noch alle hiessen.
Zu Mony, Muck, Setty und Nelson gesellte sich eine weitere Stute, Diana. Der kleine Nelson musste nach einem halben Jahr weg auf die Fohlenweide in den Thurgau und kam dann später wieder zurück.

HEINI DER STERNENWIRT

1974 hat Heini und seine Frau das Restaurant Sternen übernommen. Viele feste wurden im Sternen gefeiert. Heini war der beste Koch und Gastgeber der Welt! Neben dem Betrieb im Restaurant mussten die Pferde betreut werden und Heini hatte ganz schön viel Arbeit.
Es wurde zur Selbstverständlichkeit, dass Heini und seine Pferde bei jedem Umzug, sei es Fasnacht, 1.August, Hochzeiten, Schlittenfahrten im Winter, Samichlaus und so weiter dabei war. Er war immer dabei und prägte die jeweiligen Events.

ANEKDOTEN

In der gleichen Zeit, als Sternenwirt, gesellten sich in Heinis Stall für ein Jahr noch zwei Ponys Whyski und Socky dazu, auch ein wunderschöner Geissbock Billy war da. Katzen, Hasen, Pferde, Hunde ein Paradies für junge Mädchen. Neben den einheimischen  Kindern, war Heinis Stall auch eine Attraktion für Gäste und deren Kinder.  Viele Geschichten und Andekdoten weiss Heini davon zu erzählen.

Einmal wollten Kinder aus Deutschland im Stall übernachten und Heini musste dabei sein. Tom, sein Sohn wusste nichts Besseres zu tun, als ein Leintuch über den Kopf zu ziehen und mit einer Taschenlampe im Mund sich als Geist zu verkleiden. Dann fing es noch an zu regnen. Der Regen prasselte auf das Blechdach und es war unheimlich.  Am Morgen jedoch  gab es ein Morgenessen mit 50 Gipfeli im Restaurant Sternen und die Angst der Nacht war vergessen.

Der Stall in der Mühle war ein kleines Paradies für Gross und Klein. Dort wurdenTräume war. Die Kinder  konnten ihrem Tatendrang freien Lauf lassen.  Es wurde gewerkelt, Pferde betreut, ein Fort gebaut und vieles mehr.

HOCHWASSER 1987

In einer Augustnacht 1987 hörte es nicht mehr auf zu regnen.  Die Reuss stieg und spülte die Strasse beim Modegeschäft Sie und ES weg. Familie Gähwiler, Gnos und Baumeler wurden evakuiert. Der Zugang zum Stall war nicht mehr möglich. Hinter dem Hotel 3 Könige und Post wurde eine Notbrücke erstellt, sodass man die Pferde trotzdem noch versorgen konnte.

GOTTHARDPOSTKUTSCHE

1988 entstand die Idee, eine Gotthardpostkutsche über den Gotthardpass zu führen. Auch  Heini war Mitgründer dieser Gesellschaft, die man heute nicht mehr wegdenken möchte.

In dieser Zeit standen noch  die Haflingerstute Moni und  und ihr Sohn Nelson im Stall. Moni war schon alt aber guter Gesundheit. Nur, leider wurde ihr die Haferkiste zum Verhängnis, denn sie wusste wie sie das Schloss öffnen konnte und überfrass sich am Hafer. Sie erlitt einen Kreuzschlag und musste eingeschläfert werden. Am Schluss der Haflingerära blieb noch der „kleine“ Nelson übrig,  der jetzt auch schon ein stattlicher Hengst war. Nelson starb im Alter von 36 Jahren,  was für Pferde ein sehr hohes Alter ist.

RUHE ODER UNRUHESTAND

1991 beschlossen Loly und Heini, das Restaurant Sternen aufzugeben und sich zurückzulehnen. Doch damit wurde nichts, denn Loly wusste – Heini ohne Pferde geht nicht und kaufte kurzerhand ein Freibergerhengst Hebron und eine Stute Fiona ein. Was Loly nicht wusste, dass auch Heini schon wieder darüber nachdachte – Haflingerpferde einzukaufen. Mit Hebron und Fiona genoss Heini noch viele Kutschenfahrten, mit und ohne Gäste. Eine grosse Hilfe war auch Emmy, die unermüdlich half die Pferde zu hirten und zu bewegen.

Doch leider ist auch diese  Aera zu Ende. Hebron starb vor fünf Jahren und von Fiona musste man 2012 mit schwerem Herzen Abschied nehmen. Der Stall in der Mühle musste dem Wasserschutzprojekt der Gemeinde Andermatt Platz machen und wurde abgerissen.Zurück bleiben jedoch viele schöne Erinnerungen an diese Zeit. Herzlichen Dank Heini!

 

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