Nur ein Einziger zeigt Interesse

Neue Urnerzeitung, Montag, 17. Dezember 2012

«Tyyfelsbrigg» wird rund 22 000 Besucher anlocken. Gastronomie, Parahotellerie und Gewerbe haben diese Gäste aber offensichtlich nicht nötig.

Vom 12. Juli bis am 31. August wird auf dem Platz hinter der Kaserne Andermatt das Freilichttheater «Tyyfelsbrigg» gespielt (siehe Box). Zu den insgesamt 25 Vorstellungen werden rund 22 000 Besucher erwartet. «Sie kommen nicht nur nach Andermatt, um das Freilichtspiel zu sehen», ist OK-Präsident Christoph Gähwiler überzeugt. «Sie wollen auch essen, trinken, übernachten, den Theaterbesuch mit einem längeren Aufenthalt zum Wandern verbinden, einkaufen und noch vieles mehr. Unser kulturelles Engagement nützt also nicht zuletzt dem Gewerbe in und um Andermatt herum.»

Ein ernüchterndes Echo
Erklärtes Ziel des OK sei es deshalb von Anfang an gewesen, Gastronomie, Parahotellerie und Gewerbe als «Mitspieler» ins gemeinsame Boot zu holen. An einer Infoveranstaltung im Andermatter «Bergidyll» wollte das OK aufzeigen, wie die «Mitspieler» von den «Tyyfelsbrigg»-Vorstellungen profitieren und welche Werbemöglichkeiten sie zu welchem Preis nutzen könnten. Gleichzeitig wollten die Verantwortlichen die entsprechenden Gegenleistungen des OK darlegen. Schätzungsweise 100 Adressaten wurden per E-Mail eingeladen. Das Echo fiel für das OK mehr als nur ernüchternd aus. Gerade mal l (!) Interessent fand sich am 7. Dezember zur Information im «Bergidyll» ein. Hinzu kamen zwei Personen, die sich per Zufall dort aufhielten und Interesse an der Präsentation bekundeten. Drei Eingeladene hatten sich immerhin vorgängig entschuldigt.

Attraktive OK-Gegenleistungen
«Gastronomie, Parahotellerie und Gewerbe haben eine Chance verpasst», ist Gähwiler überzeugt. Das OK habe zum Beispiel bewusst beschlossen, mit kulinarischen Angeboten im eigenen Theaterzelt eher auf Sparflamme zu fahren. «Wir wollten das Gewerbe am besagten Infoabend viel mehr dazu ermuntern, selber aktiv zu werden, die Gäste mit -Kreationen aller Art in die eigenen Lokale zu locken oder die Besucher im Theaterdörfli bei der Kaserne mit unterschiedlichsten Angeboten zu verwöhnen», betont Gähwiler. Dies wäre bereits ab einem vergleichsweise bescheidenen Sponsoringbeitrag ab 500 Franken möglich gewesen.
«Gerne hätten wir den Interessierten auch werbemässige Plattformen zur Verfügung gestellt», bedauert Gähwiler das Desinteresse. Solche Gegenleistungen des OK wären etwa gewesen: Druck des Schriftzugs mit Adresse auf dem offiziellen Theaterprospekt (Auflage: 30 000 Exemplare), Nennung als Gastropartner auf den Tischsets (Auflage: 100000 Exemplare), Gratis-Tickets für die Premiere, Zurverfügungstellung des «Tyyfelsbrigg»-Logos für eigene Werbemassnahmen oder auch die Abgabe eines Partner-Klebers, der im Eingangsbereich des Betriebs hätte platziert werden können.

Ein Zeichen der Solidarität
«Sponsoring heisst lebendige Partnerschaft und soll zu einer Win-win-Situa-tion führen», sagt Gähwiler. «Mit unseren Aktivitäten wollen wir ein kulturelles Zeichen setzen, den Tourismus beleben und damit auch positive volkswirtschaftliche Effekte erzielen. Unsere Partner hätten mit ihrem Engagement ein Zeichen der Solidarität mit den rund 200 Mitwirkenden vor und hinter den Kulissen setzen können», so der OK-Präsident. «Die -Crew lockt die Gäste ins Tal. Am Gewerbe liegt es, sie mit weiteren Angeboten nachhaltig zu beeindrucken.»
Aufgrund des geringen Interesses müsse das OK nun selber aktiv werden und versuchen, andere Anbieter zu akquirieren. «Ich bin zwar enttäuscht, aber keinesfalls frustriert oder gar wütend wegen des geringen Interesses», sagt Gähwiler. «Wer nicht will, der hat gehabt und darf später nicht jammern.»
Doch gleichzeitig betont er: «Ich habe mir meine persönliche Meinung gebildet.» Und diese tut der OK-Präsident unumwunden kund: «Es darf einfach nicht sein, dass man nur profitieren will, ohne sich selber zu engagieren. Wir brauchen ein Geben und Nehmen -gerade in unserer Region.»

«Tyyfelsbrigg» -nicht einfach Sage
FREILICHTSPIELE bar. Das Kulturforum Andermatt Gotthard setzt nach «D Gotthardposcht», «D Gotthardbahn» und «Suworow» mit «Tyyfelsbrigg» einen weiteren Meilenstein in seiner langjährigen Freilichtspiel-Erfolgsgeschichte. «Tyyfelsbrigg» ist ein skurriles und farbenfrohes Stück der bekannten Luzerner Schriftstellerin Gisela Widmer. Es erzählt nicht einfach die alte und weitherum bekannte Sage vom Bau der Teufelsbrücke nach. Das Freilichtspiel beinhaltet viel Witz und Tiefgang, geheimnisvolle Überraschungen und fantastische Bilder. Zwar dreht sich alles um die Teufelsbrücke, doch neben vielen Gestalten aus der Urner Sagenwelt kommen zahlreiche weitere überraschende Figuren und Requisiten vor. Regie führt Livio Andreina, der sich als Regisseur der Luzerner Freilichtspiele einen Namen gemacht hat. Für die Ausstattung ist Anna Maria Glaudemans Andreina besorgt.

BRUNO ARNOLD
bruno.arnold@urnerzeitung.ch

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